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Regelkunde
2010-2011



Achtung Fußballer!!!!

Trainer,Betreuer und aktive Spieler
sollten die folgenden wichtigen Hinweise beachten.

Wer die Regeln beherrscht, kann das Fußballspiel erst richtig verstehen!

Quelle: Regel-Test Fragen aus der DFB-Schiedsrichter-Zeitung Nr. 3/2010

Nach dem Schlusspfiff sieht mancher "Rot"

Dass früher mit dem Spielende immer alle Scharmützel beendet waren, glauben nur die, die nie dabei waren - oder die Vergangenheits-Verklärer. Allerdings konnten die Schiedsrichter damals darüber nur eine Notiz im Spielbericht machen.
Heute ist das anders, wie Lutz Wagner in einer der 15 Spielsituationen deutlich macht, deren regeltechnisch richtige "Bearbeitung" er hier darlegt.

Situation 1
Bei einem Zweikampf nahe der Torlinie rutscht der Angreifer über die Torlinie neben dem Tor ins Aus. Der Verteidiger bleibt im Ballbesitz und spielt ihn zu seinem Torwart. In diesem Moment läuft der Angreifer wieder auf das Spielfeld, erreicht den Ball noch vor dem Torwart und erzielt ein Tor.

Richtige Lösung:

Tor. Spielfortsetzung Anstoß. Da der Spieler das Spielfeld nicht unerlaubt verlassen hat und das auch nicht aus taktischen Gründen (Entziehen aus einer Abseitsposition) tat, kann er jederzeit, das heißt unmittelbar und ohne Anmeldung beim Schiedsrichter, wieder auf das Spielfeld zurückkehren. Sein Einsatz ist korrekt, das Tor ist anzuerkennen.

Situation 2
In der Halbzeit wechselt der Trainer einen Spieler aus. Der Spielführer hat das nicht mitbekommen, und verneint vor dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit deshalb die Frage des Schiedsrichters nach einer eventuellen Auswechselung. Der eingewechselte Spieler erzielt in der 58. Minute ein Tor.

Richtige Lösung:

Das Tor ist nicht anzuerkennen. In dem Moment, in dem der Spieler auf das Tor schießt, bemerkt der Schiedsrichter den Vorfall. Er unterbricht das Spiel und verhängt dort einen indirekten Freistoß, wo der Ball bei der Unterbrechung war.
Zum Betreten des Spielfeldes fehlt dem Spieler hier die Zustimmung des Schiedsrichters.
Wie und aus welchen Gründen diese nicht erfolgte, ist für die Entscheidung nicht relevant.
Dieser Spieler zählt nach wie vor zu den Auswechselspielern. Er ist zu verwarnen, die Auswechselung ist nachzutragen.
Situation 3
Ein bereits ausgewechselter Spieler beleidigt im Verlauf des Spiels den Schiedsrichter von der Auswechselbank aus.
Der Schiedsrichter unterbricht daraufhin das Spiel.

Richtige Lösung:

Ausschluss des Spielers durch Zeigen der roten Karte und Aufforderung zum Verlassen des Innenraumes. Die Regel macht keinen Unterschied zwischen noch einzuwechselnden Spielern und bereits ausgewechselten Spielern.
Spielfortsetzung: Schiedsrichter-Ball.

Situation 4
Ein verletzt gewesener Spieler möchte das Spielfeld wieder betreten.

Richtige Lösung:

In einer Spielruhe kann er das von überall, also auch über die Torlinie neben dem Tor.
Während des laufenden Spiels geht das von jedem Punkt der Seitenlinie. Der Schiedsrichter hat hier lediglich zu beobachten, dass der Spieler nicht unmittelbar in das Spielgeschehen eingreifen kann. In jedem Fall ist das zustimmende Zeichen des Schiedsrichters abzuwarten.


Situation 5
In der Halbzeitpause tauschen der Torwart und ein Feldspieler ihre Position, ohne dass der Schiedsrichter davon verständigt wird. Der Schiedsrichter bemerkt den Tausch erst, als der "neue" Torwart kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit den Ball fängt.

Richtige Lösung:

Weiterspielen lassen bis zur nächsten Unterbrechung; dann beide Spieler verwarnen. Es tut nichts an der Sache, ob ein derartiger Tausch in der Halbzeitpause oder einer anderen Spielunterbrechung stattfand.
Situation 6
Nachdem das Spiel durch den Pfiff des Schiedsrichters beendet worden ist, werden die beiden Kapitäne gegeneinander tätlich, indem sie sich schlagen. Der Schiedsrichter befindet sich noch auf dem Spielfeld.

Richtige Lösung:

Feldverweise durch Zeigen der Roten Karte gegen die beiden Spieler. Solange sich der Schiedsrichter noch auf dem Spielfeld befindet, kann er persönliche Strafen aussprechen.

Situation 7
Ein Abwehrspieler trifft mit dem Ball einen generischen Angreifer. Von ihm springt der Ball zu einem abseits stehenden Mitspieler des Angreifers. Dieser kann den Ball ins Tor schießen.

Richtige Lösung:

Indirekter Freistoß wegen Abseits.

Situation 8
Von einem Abstoß gelangt der Ball zu einem weit in der gegnerischen Hälfte im Abseits stehenden Angreifer. Dieser nimmt den Ball an und erzielt ein Tor.

Richtige Lösung:

Tor, Anstoß. Beim Abstoß ist die Abseitsregelung aufgehoben.

Situation 9
Ein Abwehrspieler spuckt aus seinem Strafraum heraus einen Gegenspieler an. Der befindet sich auf dem Spielfeld aber außerhalb des Strafraums.

Richtige Lösung:

Direkter Freistoß, wo der bespuckte Spieler stand, Feldverweis.

Situation 10
Der Torwart hat einen weiten Flankenball der gegnerischen Mannschaft in einer Ecke seines Strafraumes gefangen und gleich wieder abgeschlagen. Weil er sich über einen Gegenspieler geärgert hat, der verletzungsbedingt hinter der Torlinie neben dem Tor liegt, wirft er diesen wutendbrannt seinen Torwarthandschuh an den Kopf.

Richtige Lösung:

Indirekter Freistoß, wo der Ball bei der Unterbrechung war; Feldverweis.

Situation 11
Nach einer Tätlichkeit wurde ein Spieler des Feldes verwiesen und das Spiel fortgesetzt. Als der des Feldes verwiesene Spieler in Richtung Kabine geht, wird er von einem Gegenspieler aus dem Spielfeld heraus angespuckt. Der Schiedsrichter unterbricht das Spiel.

Richtige Lösung:

Indirekter Freistoß, wo der Ball bei der Unterbrechung war; Feldverweis.

Situation 12
Beim Strafstoß täuscht der Schütze den Torwart in unsportlicher Weise. Der Torwart kann aber den Ball zum Eckstoß abwehren.

Richtige Lösung:

Indirekter Freistoß; Verwarnung.

Situation 13
Der Schiedsrichter wendet nach einem nicht regelgerecht ausgeführten Einwurf die Vorteilsbestimmung an, weil der Ball beim Gegner landet.

Richtige Lösung:

Falsch. Wenn der Ball nicht korrekt ins Spiel gebracht wird, ist keine Vorteilsgewährung möglich.

Situation 14
Der Schiedsrichter sieht, wie ein Spieler während des laufenden Spiels unerlaubt das Spielfeld verläßt und dann auf der Laufbahn den gegnerischen Trainer mit beiden Händen heftig zu Boden stößt.

Richtige Lösung:

Indirekter Freistoß wegen Verlassen des Spielfeldes; Feldverweis für den Spieler.
Anmerkung zu 14 und 15
Jegliche Unsportlichkeiten werden normalerweise durch die Regel dort bestraft, wo derjenige steht, der sie verübt hat. Im Falle von unerlaubtem Verlassen und Betreten des Spielfeldes von Spielern handelt es sich hier um eine Ausnahme.
Hier wird der indirekte Freistoß immer dort verhängt, wo sich der Ball bei der Unterbrechung befindet.


Situation 15
Gleiche Situation wie 14, nur dass der Spieler das Spielfeld wegen einer Verletzung verlassen hatte und der Schiedsrichter ihn jetzt erst wieder wahrnimmt, als er auf der Aschenbahn den Trainer heftig mit beiden Händen zu Boden stößt.

Richtige Lösung:

Das Spiel ist mit Schiedsrichterball fortzusetzen. Der Spieler ist des Feldes zu verweisen. Da hier der Schiedsrichter kein unerlaubtes Verlassen des Spielfeldes feststellen konnte, ist kein indirekter Freistoß zu verhängen.
Weil das einzige Vergehen aber außerhalb des Platzes stattfand, muss die Spielfortsetzung Schiedsrichterball lauten.